June 16, 2019 Anna Vera Kelle

Dear all!
For this weekend reading, I decided to just refer to articles written by female authors. The result is a variation of very different topics. I hope you will enjoy.

I found an interview with Juliane Rebentisch starting with the idea of how personal experiences and philosophizing connect:

“Es gibt immer wieder Fragestellungen, die etwas mit dem persönlichen Erfahrungshorizont zu tun haben. Aber die Philosophie bleibt nicht bei der eigenen Erfahrung stehen. Man ist auf der Suche nach Erklärungen, die die eigene Erfahrung perspektivieren. Dadurch öffnet sich ein intellektueller Raum, der das Persönliche und Besondere der eigenen Erfahrung mit dem Unpersönlichen und Allgemeinen gesellschaftlicher Strukturen ins Verhältnis bringt. Genau dieser etwas distanzierte Blick auf die eigene Erfahrung kann emanzipative Effekte haben.”

and emphazises the importance of the specific situation:

“Der Hinweis auf die Jeweiligkeit der Erfahrung kann intellektuell nicht das letzte Wort sein; vielmehr ist die Autorität der Erfahrung selbst noch einmal zu befragen – und der Analysehorizont zu öffnen: Welches sind die sozialen Strukturen, die uns so platzieren, dass wir diese oder jene Erfahrung machen? Es geht darum, eine neue Perspektive auf die eigenen Erfahrungen zu gewinnen, eine Distanz, die es einem ermöglicht, sich zu sich und den eigenen Erfahrungen noch einmal zu verhalten. Manchmal gelingt das durch die Lektüre soziologischer oder philosophischer Texte, sodass sich die eigene Wahrnehmung und Perspektive verschiebt und man nicht nur die Welt anders sieht, sondern auch sich im Verhältnis zur Welt.”

In the following, she shares interesting thoughts on presence, enlightenment, Hannah Arendt, aesthetics… You can read the full interview here. This is a short video extract:

Sabine Maria Schmidt comments the programme of the current Biennale in Venice for KUNSTFORUM International as an attempt of art to deal with the diagnosis of huge obscurity in which everything is connected:

“Eine Diagnose eines Durcheinanders, dessen Teil sie selber ist und dabei dennoch auf die Wirkkraft des Einzelnen vertraut. Der klassischen Idee, mittels der Kunst Themen wie Klimawandel, Migration, Rassismus, Gewalt, Emanzipationsbewegungen, Naturschutz, Mauerbauten, Weltraum und Unterwasserexpeditionen – alles, was aktuell berührt – andere Sichtweisen abzugewinnen, steht auch eine andere Haltung zur Seite. In gewisser Weise ist ein dringendes Bedürfnis entstanden, unbelehrbar und unflexibel zu bleiben: an Demokratie, Menschenrechte, Bildung, Umweltschutz und Gleichberechtigung zu glauben. Oder leben wir bereits in den Trümmern einer ehemals so ästhetisch ausgefeilten Zivilisation, die auf weit mehr Vergangenheit als Zukunft zurückweisen kann?”

Another article I found on KUNSTFORUM International is Sabine B. Vogel’s “Globalkunst – Eine neue Weltordnung”. She describes the fact that it is impossible to associate contemporary art to certain formal or stylistic trends but various parallel paths.

“Nach einigen Jahren irritiertem Warten auf einen sich doch noch abzeichnenden Kanon können wir heute festellen: Nicht mehr die einzelnen Kunstwerke, der Stil einer Malerschule, eine Technik oder Thematik, Methoden oder Medien der Kunst kündigen eine neue Bewegung an. Es ist das gesamte System, das wir bisher salopp die „Kunstwelt“ nannten, das komplett umgekrempelt wird. Es ist das Ende der dominanten Westkunst, das wir beoachten können. Wäre die Moderne nicht so oft schon als beendet erklärt worden, käme jetzt der Globalkunst diese Aufgabe zu.”

Unfortunately you can just read the beginning for free.

Last but not least I finish with an extract of the article “Multikulturelle Fallen” by Cinzia Scout on LETTRE International in which she reflects on multiculturalism and laïcité:

“Heutzutage ist es nach wie vor nötig, den Prozeß ganz entschieden voranzutreiben und noch einen Schritt weiterzugehen: Der „Kaiser“ kann sich nicht damit zufriedengeben, daß „Gott“ in seinem Machtbereich bleibt. Der „Kaiser“ muß statt dessen einerseits auch dafür sorgen, daß „Gott“ nicht gegen die Grundprinzipien des demokratischen Staates verstößt, angefangen bei den Grundrechten des einzelnen; und andererseits muß der „Kaiser“ die kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und materiellen Voraussetzungen dafür schaffen, daß die einzelnen Bürger tatsächlich in die Lage versetzt werden, sich von ihrer eigenen Ursprungskultur zu emanzipieren.”

Have a great week!

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